Unsere neue Ausgabe ist da!

Steuerrecht & Humor? Das geht!

INTERVIEW mit Fabian Walter alias „Steuerfabi“ über den Social Media Erfolg seiner verständlichen und lustigen Videos rund um das Thema Steuerrecht.

 

 

 

LL: Lieber Fabi, du bist mit knapp 800.000 Followern auf TikTok und Instagram quasi schon zu einem echten Social-Media-Superstar geworden. Und das mit einer der wohl gefürchtetsten Materien überhaupt: Steuerrecht. Wie bist du auf die Idee gekommen, das Steuerrecht in humorvollen Videos zu erklären?

 

Fabi: Ein guter Freund von mir, der eine erfolgreiche Influencer-Marketing-Agentur betreibt, Philipp, meinte zu mir Anfang 2020, dass TikTok das nächste große Ding werden wird. Er hat mich dann so lange genervt, mal etwas zu Steuern zu machen, bis ich schließlich im Frühjahr 2020 ein Video hochgeladen habe. Ich dachte, das Thema Steuern wird keinen auf der Plattform interessieren. Ich habe dann aber relativ schnell gemerkt, dass ich den Markt komplett falsch eingeschätzt habe, mich berichtigt und seit dem 5. April 2020 jeden Tag mindestens ein Video zu einer Steuerthematik veröffentlicht.

 

 

„Ich dachte, das Thema Steuern wird keinen auf der Plattform interessieren. Ich habe dann aber relativ schnell gemerkt, dass ich den Markt komplett falsch eingeschätzt habe.“

 

 

LL: Das Steuerrecht ist ja wirklich überall und jeder kommt damit in Berührung. Und trotzdem tun sich wohl die allermeisten unglaublich schwer damit – sogar wir als Jurist:innen in unserer Redaktion. Was meinst du, woran liegt das? Was müsste sich hier ändern?

 

Fabi: Das liegt einerseits daran, dass das Thema komplex ist. Es gibt viele Ausnahmen von den Ausnahmen usw. Andererseits glaube ich auch, dass es bisher nicht wirklich eine Form gab, die das Thema trotz der Komplexität auf spielerische und leicht zugängliche Weise erklärt hat.

 

Steuern sind ein unglaublich wichtiges Thema, das jeden betrifft. Und ich versuche, viele für das Thema zu begeistern.

 

 

LL: Steuerberater:innen und Jurist:innen sind ja noch nicht allzu oft bekannt dafür, ihr Wissen in Humor zu verpacken und einer breiten Masse zugänglich zu machen. Hast du hier auch einmal Gegenwind oder Kritik erfahren von Kolleg:innen o.ä.? Wie stehst du dazu?

 

Fabi: Ich glaube, wenn einem weit mehr als eine halbe Million Menschen folgen, wäre es komisch, wenn gar kein Gegenwind kommen würde. Andererseits erfahre ich weit überwiegend Zuspruch. Insbesondere von Steuerberaterinnen und Steuerberatern erhalte ich oft sehr lobende Worte, zuletzt als ein Steuerberater sich per Instagram-Nachricht dafür bedankt hat, Originaltext:

 

„Hallo Steuerfabi, wollte nur mal kurz loswerden, dass unser Berufsstand Menschen wie Dich (hoffe Du ist ok 🙈) brauchen, die unseren Beruf – der ja wie viele andere auch unter Personalmangel leidet – wieder interessant machen. Da leistest Du meiner Meinung nach einen wichtigen Beitrag. Ich schaue mir Deine Videos jedenfalls sehr gerne an 😀👍. Espresso-Konsum ist nur vielleicht ein bisschen heftig 😂. Herzliche Grüße und eine gute Zeit“

 

 

„Steuern sind ein unglaublich wichtiges Thema, das jeden betrifft. Und ich versuche, viele für das Thema zu begeistern.“

 

 

LL: In deinen Videos gibt es eine ganz besondere Requisite: der Espresso. Brauchst du den, um das Creator-Dasein noch neben deinem normalen Job unterzubekommen? Wie sieht so ein „normaler“ Tag bei dir aus?

 

Fabi: Bis Juli war ich bei der Haufe Group in Freiburg noch für Teilbereiche der führenden Fachdatenbank für Steuerberaterinnen und Steuerberater, dem Haufe Steuer Office, verantwortlich. Da ging Social-Media neben dem Vollzeitjob ohne Espresso fast nicht mehr, mittlerweile bin ich „nur noch“ im Bereich Social-Media selbständig.

 

Da ich als One-Man-Show auf mehreren Plattformen unterwegs bin, liegt auf der Contenterstellung der Fokus, dazu kommen Abstimmungen mit Werbepartnern, Abstimmungen mit Interviewpartnern, wie z.B. als Christian Lindner bei mir im Mai zu Gast war. Außerdem schreibe ich an meinem Buch und manchmal kommen relativ spontane Geschichten dazu, z. B. habe ich für die Tagesschau unentgeltlich im September etwas zur Bundestagswahl gemacht.

 

 

LL: Deine Videos beinhalten ja wirklich eine ganze Reihe an Mehrwert. Doch wie kommst du auf all die Inhalte? Gehst du hier auf Wünsche deiner Follower ein oder suchst du selbst heraus, was interessant sein könnte?

 

Fabi: Ich verfolge intensiv (geplante) Gesetzesänderungen und die Urteile, u. a. der Finanzgerichte und des Bundesfinanzhofs. Aber auch aus meiner Community kommen mittlerweile sehr gute Ideen. Die Kunst ist, so glaube ich, ein vermeintlich trockenes Thema, wie bspw. die Grenze der geringwertigen Wirtschaftsgüter (kurz: GWG), interessant zu gestalten. „Warum du nichts über 952€ kaufen solltest…“ kommt besser als „Geringwertiges Wirtschaftsgut“.

 

 

LL: Nun können wir uns sehr gut vorstellen, dass du mit deinen Videos wirklich schon vielen Menschen helfen konntest. Hast du ein besonders schönes Erlebnis gehabt, indem du einem/einer Follower:in helfen konntest?

 

Fabi: Zwei Geschichten fallen mir da spontan ein. Eine Mutter hatte ihrer Mutter das Elternhaus abgekauft und das Finanzamt hat ungerechtfertigt Grunderwerbsteuer erhoben. Der Sohn hat eines meiner Videos gesehen und die Familie hat etwa 20.000 € wiederbekommen.

 

Außerdem ein alleinerziehender Vater, der durch eines meiner Videos erfahren hat, dass er über die Steuererklärung 4 Jahre rückwirkend den Alleinerziehendenentlastungsbetrag geltend machen kann. Mit der Steuererstattung konnte er mit seinem Sohn in den Urlaub fahren und hat sich bei mir bedankt.

 

 

LL: Angenommen, dich würde eine gute Fee besuchen und du hättest 3 Wünsche für deine berufliche Zukunft frei – was würdest du dir wünschen?

 

Fabi:

1.)        Dass ich immer machen kann, was mir Spaß macht

2.)        Noch mehr interessante Menschen kennenlernen

3.)        Nie aufhören zu lernen

 

 

„Die Kunst ist, so glaube ich, ein vermeintlich trockenes Thema, wie bspw. die Grenze der geringwertigen Wirtschaftsgüter (kurz: GWG), interessant zu gestalten. ‚Warum du nichts über 952€ kaufen solltest…‘ kommt besser als ‚Geringwertiges Wirtschaftsgut‘.“

 

 

LL: Dann hoffen wir sehr für dich, dass die gute Fee mal auf einen Espresso bei dir vorbeikommt und deine Wünsche in Erfüllung gehen! Danke für deine Zeit und das tolle Interview! Und: Mach’ bitte so weiter! Wir sind Fans!

 

 

Teile diesen Beitrag

Weitere Beiträge

Eheverträge

Einen Ehevertrag? Nein, den brauchen wir ganz sicher nicht.   Und genau diese Antwort zeigt auf, dass in Bezug auf das Thema Ehevertrag Dogmen und

Weiterlesen

Die juristische Zeitschrift für Nichtjuristen

Aktuelle Themen, Komplexe Materien.

Einfach und verständlich erklärt.

Eure Favoriten
Entdecke

Nichts mehr verpassen!

Melde Dich für unseren Newsletter an und verpasse keine LL-Ausgabe mehr!

Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abbestellen.