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SÄTZE, DIE SCHWERFALLEN, MAN ABER LERNEN SOLLTE

Sobald man erst einmal im Berufsleben angekommen ist, tauchen immer wieder Situationen auf, in denen man sich irgendwie nicht so richtig wohlfühlt. Sei es, weil sich Personen über deine Preise beschweren, weil man dubiose Anfragen zu komischen Podcast- oder Interviewformaten erhält, weil man aufgrund seines Alters oder Geschlechts nicht ernst genommen wird oder oder oder…

 

Und schon beginnt man damit, zu überlegen, wie man nun darauf reagieren soll. Genau in diesem Moment fangen meist Bauchgefühl und Verstand damit an, sich zu streiten: Einerseits möchte man vielleicht einfach einmal etwas klipp und klar loswerden, auf der anderen Seite traut man sich und seinen Gefühlen dann irgendwie doch nicht genug dazu. Man will ja immerhin nicht unprofessionell, überheblich, inkompetent, emotional, anstrengend oder sonst wie wirken.

 

Das kenne bzw. kannte ich nur zu gut. Wie oft fand ich mich in Situationen wieder, in denen ich mich einfach nicht getraut habe, mal etwas zu sagen?! Im Zweifel musste mein Gefühl zurückstecken.

 

Man könnte jetzt vielleicht annehmen, dass ich wenigstens „dem Business“ damit einen Gefallen getan hätte, wenn schon nicht mir selbst. Aber das Gegenteil war sogar der Fall. Das wurde mir allerdings etwas später bewusst.

 

Denn in diesen Situationen geht es nicht darum, jemanden anzuschreien oder einfach mal den Raum mit den Worten „Macht euren Scheiß doch selbst“ zu verlassen und die Tür hinter sich zuzuknallen. Obwohl das wohl auch jeder von uns schon mindestens einmal gerne getan hätte… Aber diese Form von Gefühlsausdrücken meine ich damit gar nicht. Ich meine damit, in einem ruhigen, aber bestimmten Ton Grenzen zu setzen, seine Überzeugungen und Prinzipien zu verteidigen und für sich (und andere) einzustehen.

 

Kann man das nicht, wird man sich sehr schnell in seiner eigenen Haut nicht mehr allzu wohlfühlen. Man hat mit Projekten oder Klient:innen zu tun, die einem den letzten Nerv rauben und alles andere als Spaß machen. Man lässt sich auf Interviews ein, in denen man sich in einem Licht präsentiert hat, das einem so gar nicht gefällt, aber für immer im Internet kursieren. Oder man geht mit viel Frust ins Bett und wacht morgens wieder damit auf, weil man sich so sehr über das überhebliche und respektlose Verhalten anderer ärgert. Das kostet Energie. Und genau diese Energie fehlt dann am nächsten Tag bei der Arbeit.

 

Aus diesem Grund möchte ich hier mal ein paar Sätze vorstellen, die zwar erst einmal ungewohnt sind und daher am Anfang schwerfallen, die man aber lernen muss, sagen darf und sogar wahre Wunder bewirken! Denn es ist sogut wie noch nie passiert, dass ich daraufhin irgendwelche blöden Reaktionen erhalten habe. Ganz im Gegenteil! Häufig ist genau das nötig, um das Verhältnis zu anderen zu verbessern. Und selbst, falls das mal nicht gelingen sollte, hat man wenigstens ganz schnell die Gewissheit, dass eine Zusammenarbeit ohnehin keinen Sinn ergeben hätte und man sich sehr viel Ärger erspart hat.

 

 

„Nein“ ist ein ganzer Satz. Das rufe ich mir jedes Mal wieder in Erinnerung, wenn ich mich dabei ertappe, wie ich mich rechtfertigen oder erklären will.

 

 

„Ich bin Expertin auf diesem Gebiet. Ich weiß das. Und ich kann das.“

 

So oder so ähnlich lautet der allererste Satz, der mir bei diesem Thema direkt in den Kopf schoss – und zumindest mir enoooorm schwergefallen ist. Impostor-Syndrom lässt grüßen! Dabei hat mich mein ganzes Leben genau in diese Nische geführt, in der ich jetzt arbeite und die ich sogar in dieser Form für mich und meine Stärken selbst erschaffen habe. Und trotzdem konnte ich lange Zeit nicht dafür einstehen, dass ich hier diejenige bin, die mehr Ahnung in diesem (in meinem!) Bereich hat, als mein Gegenüber.

 

Ich wollte erstens nicht überheblich wirken und zweitens stellte ich mir selbst insgeheim immer wieder die Frage, ob ich das alles denn wirklich besser weiß und besser kann. Aber natürlich tu‘ ich das!!! Und genauso muss das schließlich auch sein, denn immerhin verdiene ich seit Jahren damit mein Geld, mache nichts anderes und werde ja schließlich auch dafür bezahlt, dass ich’s besser kann und weiß. Sonst bräuchte man mich ja überhaupt nicht.

 

Wenn ich mich also wieder einmal in Diskussionen wiederfinde, in denen mir z.B. jemand das Gefühl vermitteln will, er könnte meinen Job besser als ich und wüsste auch alles besser als ich, stehe ich für mich, meine Kompetenzen und meine Erfahrungen ein. In den allermeisten Fällen wird das einem – entgegen meiner anfänglichen Angst – nicht einmal als „arrogant“ ausgelegt, sondern vielmehr als kompetent und führt dazu, dass man sich fortan mehr auf Augenhöhe begegnet. Und das Selbstvertrauen, das man mit diesem Satz zum Ausdruck bringt, bedeutet nicht gleichzeitig, kritikunfähig oder nicht lernbereit zu sein. Denn man kann seinen aktuellen Stand an Wissen und Fähigkeiten mit gutem Gewissen verteidigen und trotzdem dafür sorgen, dass er nicht für immer der Gleiche bleibt.

 

 

„Ich möchte das nicht!“

 

Zu sagen, was man nicht möchte, ist gar nicht mal so einfach, wie es klingt. Hierbei geht es vor allem darum, bestimmte Verhaltensweisen von anderen zu unterbinden und Grenzen zu setzen. Ein gutes Beispiel ist: „Ich möchte nicht, dass Sie mich / meine Mitarbeiterin / meine Kollegin so behandeln“. Und auch ein klares „Ich möchte nicht, dass Sie mich am Wochenende anrufen“ oder ein „Ich möchte nicht, dass Sie ohne mein Einverständnis Inhalte von mir teilen“ wirkt meist sehr einfach, schnell und langanhaltend. Natürlich könnte man das auch positiv formulieren und kommunizieren, was man möchte anstatt was man nicht möchte. Ich finde allerdings, so eine negative Formulierung oft treffsicherer.

 

 

„Ich habe das (noch) nicht wirklich verstanden. Könnten Sie das bitte noch einmal erklären?“

 

Nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat, ist kein Zeichen von Inkompetenz! Auch wenn viele Angst haben, dass das so wirken könnte. Es kam schon einige Male vor, dass ich z.B. in einer Besprechung mit einem Klienten war und vor lauter Buzzwords gewisse Dinge nicht wirklich begriffen habe. Ich hatte mich dann meistens gar nicht getraut, nochmal nachzufragen, weil ich nicht „dumm“ oder „begriffsstutzig“ wirken wollte. Im Nachhinein war ich dann an dem Projekt gesessen und hatte den Salat: Entweder musste ich enorm viel Zeit investieren, um all das herauszufinden, was mir der Klient vermutlich innerhalb von 2 Minuten hätte erklären können oder aber ich musste Teile des Projekts nochmal überarbeiten, weil ich etwas falsch verstanden hatte. Mittlerweile frage ich also direkt nach, ob mir etwas nochmal erklärt werden könnte. In 99% der Fälle höre ich in etwa ein „Oh, entschuldigen Sie bitte. Wir sind da so tief in der Materie, dass uns oft gar nicht auffällt, wenn andere das nicht verstehen!“ und manchmal kommt es sogar vor, dass eine Frage ziemlich wichtig ist, weil es in der Tat irgendwo einen Logikfehler gab oder Informationen fehlten und der Klient dadurch wenigstens bemerkte, dass ich mitdenke.

 

 

Man kann seinen aktuellen Stand an Wissen und Fähigkeiten mit gutem Wissen verteidigen und trotzdem dafür sorgen, dass er nicht für immer der Gleiche bleibt

 

 

„(—)“

 

Keine Antwort ist auch manchmal eine Antwort – und will gelernt sein. Man muss nicht (sofort) auf jede E-Mail oder jeden Anruf reagieren. Nicht jede Frage beantworten. Keine Informationen herausrücken, die man nicht herausrücken will. Und es ist auch vollkommen okay, auch mal eine Weile auf Social Media nichts von sich hören zu lassen, wenn man dafür gerade keine Zeit oder einfach keine Lust hat.

 

 

„Das sind meine Konditionen – Take it or leave it.“

 

Wenn jemand etwas von dir will, dann darfst du die Bedingungen dafür festlegen! „Das ist mein Preis!“, „Das Seminar gibt’s nur online!“, „Ich brauche für das Projekt mindestens 3 Wochen!“, „Ich halte keinen Workshop für eine Gruppe mit mehr als 20 Personen!“ etc.

 

Natürlich besteht dann die Gefahr, dass dann z.B. ein Projekt nicht zustande kommt. Aber wenn einem bestimmte Bedingungen wirklich wichtig sind, sollten sie auch nicht zur Verhandlung stehen. Und das muss auch gar nicht immer alles sein, sondern kann auch je nach Terminkalender, Auftrag oder Wohlbefinden variieren. Möchte ich mehr Freizeit, fordere ich mehr Zeit für ein Projekt ein. Möchte ich wichtige Inhalte intensiv vermitteln, fordere ich zwei kleinere Gruppen statt einer großen. Und möchte ich Betrag X für meine Leistung, biete ich vielleicht eine Ratenzahlung an, aber gebe keine Rabatte. Man kann viel öfter seine eigenen Regeln gestalten, als man glaubt.

 

 

„Nein.“

 

„Nein“ ist ein ganzer Satz. Das rufe ich mir jedes Mal wieder in Erinnerung, wenn ich mich dabei ertappe, wie ich mich rechtfertigen oder erklären will. Obwohl ich das ja eigentlich gar nicht will, sondern eher das Gefühl habe, ich müsste es.

 

Es gab schon oft Situationen, in denen ich irgendwie ein mulmiges Bauchgefühl oder schlichtweg keine Lust auf etwas hatte. Dann saß ich da und habe versucht, das irgendwie in Worte zu fassen, um der anderen Person (auch noch möglichst angenehm) zu vermitteln, warum ich nicht in ihrem Podcast dabei sein will, warum ich kein Interview für dieses Format geben möchte oder warum ich nicht vorhabe, mir die Zeit für einen Austausch zu nehmen. Bis mir dann aber zum Glück wieder einfiel: „Nein“ ist ein ganzer Satz! Ich muss mir keine Worte zurechtlegen, weil ich sie gar nicht brauche.

Kolumne Anna_white

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