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Legal Tech – Was ist das und was habe ich davon?

Warum sich auch Nichtjuristen für die Digitalisierung im Rechtsmarkt interessieren sollten.

 

Was hat Jura eigentlich mit Technologie zu tun? Gar nicht mal so viel. Und das ist schade, denn durch den Einsatz von Technologie im juristischen Bereich entstehen viele Vorteile, vor allem für die Anwaltschaft und ihre Mandantschaft. Also eigentlich genau für die Menschen, die praktisch mit Rechtsdienstleistungen in Berührung kommen. Aber von vorn:

Die Digitalisierung hat für Verbraucherinnen und Verbraucher auf dem Dienstleistungsmarkt viele Veränderungen mit sich gebracht. Kleidung wird online bei Zalando geshoppt, die Unterkunft bei Airbnb gebucht, das “Taxi” kommt über die App von Uber.
Auch vor dem Rechtsdienstleistungsmarkt macht die Digitalisierung natürlich nicht Halt. Juristinnen und Juristen sprechen auf einmal davon, dass sie “Legal Tech” einsetzen oder gründen gleich ganze “Legal-Tech-Startups”.

 

Schön und gut, doch was bedeutet das eigentlich?

Noch vor ein paar Jahren sahen rechtlicher Rat und anwaltliche Dienstleistungen für Verbraucherinnen und Verbraucher typischerweise so aus: Mandant geht zum Rechtsanwalt vor Ort. Man sitzt gemeinsam am Mahagoni-Tisch vor einer Bücherwand mit dickbäuchigen Gesetzbüchern. Wer so viele Bücher gelesen hat, muss klug sein, denkt sich der Mandant. Er schildert sein Problem, während der Rechtsanwalt verständnisvoll nickt und sich auf einem weißen Blatt Papier Notizen macht. Die Fakten sind erörtert. Nun beginnt die Beratung. Vieles weiß der Rechtsanwalt bereits aus dem Kopf. Manches muss er nochmal nachschlagen in seinen Wälzern. Nur zur Sicherheit, um keine Fehler zu machen. Im Anschluss macht sich der Rechtsanwalt daran, einen saftigen Schriftsatz an die Gegenseite zu verfassen. Mieterhöhung in dieser Wohnung? Da haben Sie wohl den Mietspiegel nicht verstanden. Und außerdem ist die Heizung im Schlafzimmer seit 2 Wochen ausgefallen. Da steht der Mandantschaft eine Rückzahlung der geminderten Miete zu! Alle Dokumente, Schriftsätze, Klageschrift etc. werden sorgfältig in dicken Leitz-Ordnern abgeheftet und zieren die Flurwand der Kanzlei.

 

So, und was ist nun anders mit Legal Tech?

Der Begriff ist bereits erklärungsbedürftig, denn die englischen Worte “Legal” und “Tech” (für “technology”) sagen ja erstmal nur aus, dass Jura mit Technologie in Berührung kommt. Manche verstehen unter dem Begriff daher bereits die einfache Anwendung jeglicher digitaler Mittel zur Erbringung der Rechtsdienstleistung. Der oben beschriebene Rechtsanwalt würde dann also Legal Tech nutzen, wenn er seine Notizen nicht mehr handschriftlich, sondern am Laptop verfasst und E-Mails schreibt. Das kann man zugegebenermaßen nicht als radikale Innovation bezeichnen.

 

Doch Legal Tech geht noch weiter. Darunter werden auch spezielle Tools verstanden, die eigens für die juristische Arbeit entwickelt wurden und diese wesentlich effizienter machen. Darunter fallen zum Beispiel digitale Dokumentenmanagementsysteme. Anstatt in dicken Leitz-Ordnern nach dem richtigen Dokument zu suchen, können Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in einer digitalen Akte nach dem richtigen Schlagwort suchen. Das macht ihre Arbeit übersichtlicher und reduziert den typischen Papierkram. Und das wiederum gibt ihnen mehr Zeit für die rechtliche Beratung oder Recherche zu schwierigen Fragestellungen.

 

„Dabei ist es für die Mandantschaft gerade vorteilhaft, wenn die wertvolle Zeit einer Rechtsanwältin oder eines Rechtsanwalts nicht mit simplen, repetitiven Arbeiten verbraucht wird. Dadurch kann auch oftmals die ganze Leistung günstiger angeboten werden, denn effizientere Arbeit bedeutet mehr Zeit für Aufträge.“

 

Ebenso verhält es sich auch bei der teilweisen Automatisierung von einzelnen Arbeitsschritten. Das klingt zwar im ersten Moment nach Roboter-Anwälten. Gemeint ist aber nur, dass gleichartige Aktionen, wie zum Beispiel das Erstellen eines fast identischen Schriftsatzes oder einer Zahlungsaufforderung, nicht immer wieder manuell erfolgen müssen, sondern, dass dies “per Knopfdruck” erfolgen kann. Solche Arbeitserleichterungen sind in den meisten Branchen absolute Normalität. In der Juristerei herrschte lange Zeit ein Widerstand gegen diesen Einzug der Digitalisierung. Dabei ist es für die Mandantschaft gerade vorteilhaft, wenn die wertvolle Zeit einer Rechtsanwältin oder eines Rechtsanwalts nicht mit simplen, repetitiven Arbeiten verbraucht wird. Dadurch kann auch oftmals die ganze Leistung günstiger angeboten werden, denn effizientere Arbeit bedeutet mehr Zeit für Aufträge. Darüber hinaus wird auch die Qualität der rechtlichen Leistung gesichert, denn mit einem automatischen System können – wenn richtig eingesetzt – auch weniger Fehler passieren. Während Menschen natürlicherweise Wissenslücken aufweisen oder Details, wie zum Beispiel eine notwendige Klausel in einem Vertragsentwurf, übersehen, kann ein gut gepflegtes System mit einer Automatisierung dafür sorgen, dass bestimmte Dinge nie “vergessen” werden.

 

Legal Tech bedeutet aber nicht nur, dass die Anwaltschaft selbst Technologie einsetzt, um eine Rechtsdienstleistung zu erbringen. Mittlerweile gibt es ganze Unternehmen (oftmals “Legal Techs” oder “Legal-Tech-Startups” genannt), die eine Rechtsdienstleistung komplett digital erbringen. Vom ersten Kundenkontakt auf einer Website, zum Beispiel zum Thema Miete, über eine digitale Prüfung des Anspruchs, hin zum automatisierten Anschreiben an die Gegenseite. Hier haben Juristinnen und Juristen ihr juristisches Wissen zum Beispiel in einen Algorithmus einfließen lassen, der nun zusammen mit den Informationen, die die Kunden geben, eine rechtliche Bewertung abgeben kann. Durch den Einsatz von Technologie an verschiedenen Stellen (Website, Algorithmus, automatisierte Dokumentenerstellung etc.) ist die Handhabung für die Kundschaft sehr vereinfacht, denn für die Nutzung des Services ist es nicht einmal notwendig, die Couch zu verlassen.

 

Es zeigt sich also: Auch von der Digitalisierung des Rechtsdienstleistungsmarkts können Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren, indem rechtliche Services effizienter, dadurch auch oft günstiger werden und vor allem leichter zu nutzen sind.

 

 

ALISHA ANDERT, LL.M.

ist Volljuristin und Head of Legal Innovation bei der digitalen Arbeitsrechtskanzlei Chevalier.

 

Als Mitgründerin der Innovationsberatung „This is Legal Design“ unterstützt sie insbesondere Kanzleien und Rechtsabteilungen bei der nutzerzentrierten Gestaltung in Digitalisierungsprojekten.

 

Als Vorstandsvorsitzende des Legal Tech Verbands Deutschland möchte sie die Digitalisierung des Rechtsmarkts insgesamt voranbringen.

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