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Yasemin Özkanli

Yasemin Özkanli

studiert Wirtschaftsrecht, LL.B.

 

„WARUM STUDIERST DU WIRTSCHAFTSRECHT?“

Einblicke in den juristischen Bachelorstudiengang und das Berufsbild

 

Ich heiße Yasemin, bin 24 Jahre alt und befinde mich kurz vor dem Abschluss meines Bachelorstudiums im Studiengang Wirtschaftsrecht. Ich hoffe, mich dieses Jahr nach drei Jahren Studium endlich Wirtschaftsjuristin nennen zu dürfen. Auf Social Media bin ich seit einiger Zeit ein bisschen präsent, um Studieninteressierten aber auch allen anderen, die sich für den Studiengang Wirtschaftsrecht interessieren, den Studiengang etwas näher zu bringen. Für viele ist der Studiengang Wirtschaftsrecht noch lange kein Begriff oder wird als „nichts Halbes“ aber auch „nichts Ganzes“ angesehen. Man würde ja mit Wirtschaftsrecht nichts „Richtiges“ studieren. Dass das natürlich nicht der Fall ist, können viele andere Wirtschaftsjuristen und auch ich bestätigen.

 

Warum studierst du Wirtschaftsrecht? Ist das überhaupt etwas „Richtiges“? Was macht überhaupt ein Wirtschaftsjurist? Werden überhaupt Wirtschaftsjuristen gebraucht und wenn ja, wo? Solche Fragen bekomme ich immer wieder gestellt, nachdem gefragt wird was ich studiere. Gerne möchte ich auch hier die Möglichkeit nutzen, um einen Einblick zu verschaffen und auf die Gründe für ein Wirtschaftsrechtsstudium sowie mögliche Arbeitsbereiche und -orte einzugehen. Über das Berufsleben kann ich aus persönlicher Sicht noch nicht berichten.

 

Grundsätzlich besteht der Studiengang Wirtschaftsrecht zur Hälfte aus juristischen und zu 25 % aus wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten. Die restlichen 25 % beziehen sich auf methodische Inhalte wie z.B. Rhetorik, Mediation oder wissenschaftliches Arbeiten.

 

Die ersten vier Semester bilden inhaltlich das Grundstudium mit allgemeinen rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Inhalten und erst im weiteren Verlauf des Studiums werden individuelle Schwerpunkte, wie z.B. Mergers & Acquisitions, Wirtschaftsprüfung, Wirtschaftsinformatik oder Steuerrecht ausgewählt.

 

 

Der Studiengang Wirtschaftsrecht kann sich flexibel an gesellschaftliche Gegebenheiten, didaktische und technische Neuerungen sowie Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt anpassen, weil er nicht für ein Staatsexamen ausbilden muss.

 

 

Die juristischen Inhalte stellen keine „Lightversion“ eines Rechts-wissenschaftsstudiums dar. Dabei werden Rechtsgebiete, wie z.B. Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Insolvenzrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Verwaltungsrecht etc. genauso wie im Rechtswissenschaftsstudium behandelt bzw. gelehrt. Was für das Wirtschaftsrechtsstudium nicht von Relevanz ist, sind Rechtsgebiete wie das Familienrecht oder Erbrecht. Jedoch ist auch im Wirtschaftsrechtsstudium der Gutachtenstil zu beherrschen. Es ist auch unser Werkzeug.

 

Im Wirtschaftsleben sind rechtliche Fragestellungen allgegenwärtig. Die Kombination aus juristischen als auch wirtschaftlichen Inhalten und Aspekten ist besonders interessant, da sie zwei Materien zusammenführt. Ich habe mich nach dem Abitur für das Wirtschaftsrechtsstudium entschieden, weil es die Schnittstelle zwischen Jura und BWL darstellt und ich somit wirtschaftliche als auch juristische Aspekte miteinander verknüpfen konnte. Ich wollte nicht nur den juristischen Teil, sondern auch den wirtschaftlichen Schwerpunkt von Anfang an in meinem Studium eingebunden haben. Der Erwerb zusätzlicher betriebswirtschaftlicher Kenntnisse erschien mir insbesondere mit Blick auf die in der Praxis vielfach auftretenden Schnittstellen dieser beiden Fachbereiche sinnvoll. Somit erlerne ich das Beste aus beiden Fachbereichen- nämlich Wirtschaft und Recht.

 

Der Studiengang Wirtschaftsrecht kann sich flexibel an gesellschaftliche Gegebenheiten, didaktische und technische Neuerungen sowie Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt anpassen, weil er nicht für ein Staatsexamen ausbilden muss. Dabei geht es auch gar nicht darum, das Rechtswissenschaftsstudium mit dem Wirtschaftsrechtsstudium zu vergleichen.

 

Man muss verstehen, dass beide Disziplinen nicht miteinander vergleichbar sind und es sich dabei um zwei verschiedene Studiengänge mit unterschiedlicher Zielsetzung handelt. Beides hat seine Daseinsberechtigung und ist keinesfalls miteinander vergleichbar. Das Eine schließt das Andere nicht aus.

 

Wirtschaftsjuristen können z.B. in Rechts- und Personalabteilungen der verschiedensten Branchen, Unternehmensberatungen, bei Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie bei Anwaltskanzleien tätig werden. Die Tätigkeiten eines Wirtschaftsjuristen lassen sich nicht leicht beschreiben bzw. eingrenzen, denn Wirtschaftsjuristen sind in sehr vielen Arbeitsbereichen gefragt. Sie können bspw. bei unternehmerischen Entscheidungen über die damit verbundenen wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen eine Beraterrolle einnehmen. So wirken sie unter anderem bei der Vertragsgestaltung verschiedenster Verträge und Vereinbarungen mit oder beraten in Steuerrechtsfragen. Außerdem können Wirtschaftsjuristen für die Überwachung und Koordinierung betrieblicher Abläufe verantwortlich sein, sodass eine ordnungsgemäße Buchführung und eine gesetzeskonforme Erstellung von Bilanzen und Jahresabschlüssen gewährleistet sind. Dabei zeigt die Vielfalt zugleich die Breite der Rechtsgebiete, Wirtschaftsbereiche und Arbeitsgebiete, die der Studiengang somit abdeckt. Zudem reicht sie von der Beantwortung juristischer Fragestellungen bis hin zu allgemeinen Managementaufgaben. Das Wirtschaftsrechtsstudium bereitet die Studierenden damit auf einen breiten Arbeitsmarkt vor und erlaubt jedem einzelnen Studierenden sein persönliches Profil innerhalb seines Studiums entlang seiner Fähigkeiten und Stärken zu entwickeln bzw. weiter zu fördern.

 

Mit einem Abschluss in Wirtschaftsrecht eröffnen sich sehr interessante Berufsaussichten. Die „Zeit“ formulierte es einmal wie folgt: „Wirtschaftsrecht ist wie Pfeffer und Salz, aber aus einem Streuer.“ Sowohl in Unternehmen als auch in Institutionen stellen Wirtschaftsjuristen mit ihren speziellen Kompetenzen eine wichtige Rolle dar. Die Tätigkeiten sind breit gefächert – angefangen bei der Vertragsgestaltung über die Entwicklung und Einhalten bestimmter Verhaltensregeln bis hin zur Begleitung in steuerlichen und rechtlichen Aspekten.

 

Heute bin ich mehr als froh diesen Weg eingeschlagen und mich für Wirtschaftsrecht entschieden zu haben. Der Studiengang bietet mir die perfekte Verknüpfung aus Wirtschaft und Recht und ermöglicht es mir im Berufsleben einen juristischen als auch einen wirtschaftlichen Schwerpunkt zu setzen.

 

 

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