PIRLO – Gegen alle Regeln

Interview 2

INTERVIEW mit Dr. Ingo Bott über seinen erst kürzlich erschienenen „Jura-Krimi“ und seine Arbeit als Strafverteidiger.

 

Dr. Ingo Bott

 

LL: Lieber Ingo, du bist nicht nur Fachanwalt für Strafrecht und hast eine eigene Kanzlei, sondern du bist auch Autor des kürzlich erschienenen Jura-Krimis “Pirlo – Gegen alle Regeln”. Kannst du uns einen kurzen Einblick geben, worum es in diesem Buch geht?

 

IB: „PIRLO – Gegen alle Regeln“ ist eine temporeiche, rockige Geschichte über zwei Strafverteidiger: die Berufsanfängerin Sophie Mahler und den bei einer Großkanzlei gestrauchelten Dr. Pirlo.

 

Nachdem Pirlo zunächst in Selbstmitleid zerfließt, rafft er sich zu einer Wohnzimmerkanzlei zusammen, bei der die Verteidigung in einem großen Mordverfahren landet, die er zusammen mit Sophie angehen will – und letztlich auch muss. Da seine der Kriminalität zugeneigten Brüder in ihrem Versuch, mit den großen Clans mitzuhalten, gewaltig gescheitert sind, hat Pirlo plötzlich auch einen gewaltigen Schuldenberg abzutragen. Dazu muss er das Verfahren gewinnen, um jeden Preis und notfalls auch gegen alle Regeln.

 

 

LL: Wie nah ist der Krimi an der Realität? Hattest du denn mal einen ähnlichen Fall?

 

IB: Der Fall aus „Gegen alle Regeln“ ist fiktiv, gleichzeitig aber auch insofern true crime, als sich das Rechtliche so entwickelt, wie es im wahren Leben wäre. Das zumindest bis zu dem Punkt, an dem insbesondere Pirlo mehr als die übliche Kreativität an den Tag legen muss, um sein Verfahren zu gewinnen. Und möglicherweise auch deutlich mehr als das Zulässige.

 

 

LL: Die Hauptfigur Pirlo ist also ein Strafverteidiger – genau wie du. Gibt es irgendwelche persönlichen Parallelen zwischen euch beiden?

 

IB: Dr. Pirlo ist eine Romanfigur mit vielen zugespitzten Eigenschaften und einem ganz eigenen Leben, Stil und auch Chaos. Es handelt sich, natürlich, um einen fiktiven Charakter. Er hat aber jedenfalls eine ziemlich gute Frisur.

 

 

LL: Fühlt man sich als Strafverteidiger im echten Leben auch manchmal wie in einem aufregenden Krimi? Hast du vielleicht ein paar spannende Situationen / Momente erlebt, die filmreif gewesen wären? Oder ist es doch unspektakulärer, als man vermuten würde?

 

IB: Der Beruf ist extrem wendungs-, erlebnis- und abwechslungsreich. Das liegt schon allein daran, dass sich alles um Menschen, bei mir teilweise auch Unternehmen, und deren Schicksale, Vergangenheit und Zukunft dreht. So etwas wie ein langweiliger oder auch nur im Ansatz vorhersehbarer Alltag kann schon aus der Natur der Sache nicht aufkommen. Fast zwangsläufig kommt dabei auch Filmreifes vor.

 

 

„‘PIRLO – Gegen alle Regeln‘ ist eine temporeiche, rockige Geschichte über zwei Strafverteidiger: die Berufsanfängerin Sophie Mahler und den bei einer Großkanzlei gestrauchelten Dr. Pirlo.

Nachdem Pirlo zunächst in Selbstmitleid zerfließt, rafft er sich zu einer Wohnzimmerkanzlei zusammen, bei der die Verteidigung in einem großen Mordverfahren landet, die er zusammen mit Sophie angehen will – und letztlich auch muss…“

 

 

Das müssen dabei gar nicht zwingend Verhandlungssituationen wie im Loveparade-Verfahren, Diskussionen im Bundeskartellamt oder die Aufregungen einer Durchsuchungssituation sein. Im Gegenteil, es gibt keine „kleinen“ Verfahren. Es geht für die verfahrensbetroffenen Menschen immer um viel. Die Intensität ist immer hoch. Schon allein darum ist der Beruf auch immer spannend.

 

 

„So etwas wie ein langweiliger oder auch nur im Ansatz vorhersehbarer Alltag kann […] nicht aufkommen. Fast zwangsläufig kommt dabei auch Filmreifes vor.“

 

 

LL: Nun kennen sich ja bestimmt nicht alle deiner Leser:innen mit Jura aus. Ist es dir schwergefallen, juristische Umstände oder Begriffe in deinem Buch für Laien zu erklären?

 

IB: Überhaupt nicht. Die PIRLO-Geschichten sollen unterhalten und Spaß machen. Strafrecht und Strafverfahren sind für das wahre Leben spannend genug. Dazu kommt, dass Strafrecht von Menschen für Menschen ist. Vieles erschließt sich von selbst. Man muss das, wie auch sonst, nicht unnötig verkomplizieren. Das gilt auch, insoweit Anlehnungen an echte Fälle, wie etwa die „Haustyrannen-Rechtsprechung“ des Bundesgerichtshofs vorkommen.

 

Wer juristisch nicht vorbelastet ist, dürfte ganz interessant finden, an was und wie die Verteidiger in der Geschichte denken. Für rechtlich geprägte Menschen sollte die Art und Weise der Bezüge auf echte Verfahren ebenfalls Spaß machen.

 

 

LL: Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, einen Krimi zu schreiben? Hat dich irgendetwas oder irgendjemand hierzu inspiriert?

 

IB: Ich liebe Sprache und was man damit anstellen kann. Schlussendlich ist das auch das Werkzeug, mit dem ich arbeite. Die PIRLO-Bücher machen vor allem viel Spaß beim Schreiben, was man dann hoffentlich auch beim Lesen merkt.

 

Ein besonderer Reiz liegt sicher darin, Geschichten zu schreiben, die dort beginnen, wo klassische Thriller aufhören. Was passiert denn eigentlich, wenn der vermeintliche Täter gefasst ist? Wie läuft das dann vor Gericht? Wie arbeiten und welche Gedanken machen sich Strafverteidiger? Das alles in Kombination mit dem Anti-Helden Pirlo ist einfach eine ziemlich gute Mischung.

 

 

LL: Wie schafft man es, neben dem alltäglichen Stress als Fachanwalt für Strafrecht noch ein Buch zu schreiben? Wie lange hat das denn gedauert? Und gab es für dich irgendwelche Hindernisse, wie z.B. die berühmten Schreibblockaden?

 

IB: Mein Lebensentwurf ist zwar schön, aber auch ziemlich intensiv. Es gibt keinen klassischen Tagesablauf, daher auch keine festen Schreibzeiten. Das macht es aber auch schwer, zu sagen, wie lang es gedauert hat, das Buch zu schreiben. Alles in allem brauchte es dafür ungefähr ein Jahr. Es waren aber sicher auch mehrere Wochen dabei, an denen es nicht wirklich eine Gelegenheit dazu gab, weiterzuschreiben. Insofern entstehen diese Geschichten dann, wenn es sich ergibt, genau dadurch aber auch mit viel Freude an der Sache und, erfreulicherweise, ohne Schreibblockaden.

 

 

LL: Welchen Tipp würdest du unseren Leser:innen geben, wenn sie ebenfalls gerne ein Buch schreiben würden?

 

IB: Einfach machen. Freude dran haben. Oder wie Pirlo sagen würde: „Erst schlagen, dann fragen“.

 

 

„Ein besonderer Reiz liegt sicher darin, Geschichten zu schreiben, die dort beginnen, wo klassische Thriller aufhören. Was passiert denn eigentlich, wenn der vermeintliche Täter gefasst ist?“

 

 

LL: Vielen Dank für das Interview, lieber Ingo. Wir wünschen dir und Pirlo weiterhin viel Erfolg!

 

 

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