CHRISTIANE EYMERS

CHRISTIANE EYMERS

Fachanwältin für Arbeitsrecht

Business Coach

Inspired Law Blog

DIE 3 WICHTIGSTEN TIPPS FÜR’S ÜBERLEBEN IM HAIFISCHBECKEN

Wir mussten uns aneinander gewöhnen, die Juristerei und ich. Was mich im Nachhinein nicht groß wundert, wenn ich mir so das Bild von uns Jurist*innen in der Öffentlichkeit ansehe. Es ist nicht gerade ein positives, da braucht man nur mal ein paar Filme zu schauen oder durch Social Media zu scrollen und schon fehlt die rechte Lust, Mitglied einer solch verrufenen Bande zu sein.

 

Oft werden die Anwälte von ihrer sehr berühmten, nämlich hauptsächlich konfliktverschärfenden Seite präsentiert. Wenn sie mal menschlich und normal gezeigt werden, haben sie ein völlig zerrumpeltes Büro, das nichts als Erfolglosigkeit ausstrahlt und werden ausgetauscht, wenn es spannend wird. Sie werden dargestellt als komplett herzlos und kleben die ganze Zeit stumpf an ihren Unterlagen. Oder sie sind zwar ganz nett, können sich aber leider gar nicht durchsetzen und agieren hilflos immer nah am Parteiverrat. Wir werden in Verbindung gebracht mit übertriebener Streit- und Argumentationslust, Rechthaberei und Machtstreben. Den „typischen Juristen“ mag niemand. Wer will da schon mitmachen.

 

Natürlich habe ich bei dieser öffentlichen Meinung über das Meer grauer Anzüge, die verstaubte und humorlose Juristerei, dieses Ellenbogengebiet über jedes „Waaas? Du bist Anwältin? Das hätte ich NIE gedacht!“ erstmal innerlich gejubelt.

 

Meine Startposition war der Glaube an das Positive im Menschen und die Ansicht, dass der kategorische Imperativ für unser Zusammenleben doch wohl eigentlich ausreichen müsste. Beherzter Sprung mitten ins Haifischbecken also und los. Unterwegs war ich gerade in den ersten Jahren oft außerordentlich wütend. Ich hatte Schnappatmung ohne Ende, besonders beim Lesen der Schreiben meiner Lieblingsfeinde auf der gegnerischen Seite. Ich war oft verunsichert und vor allem empört, wenn ich herablassend behandelt wurde. Und immer auf der Suche nach einem Weg, der für mich passt.

 

Zum Glück habe ich den auch gefunden und hier kommen sie also, meine besten Überlebenstricks für das Haifischbecken. Und ich sag mal so: Wenn ich damit durch die Juristerei komme, klappt es auch in allen anderen Branchen.

 

Natürlich habe ich […] über jedes „Waaas? Du bist Anwältin? Das hätte ich NIE gedacht!“ erstmal innerlich gejubelt.

 

1. Nichts persönlich nehmen

Manchmal kommen sie einfach unfassbar arrogant daher, sowohl gegnerische Kollegen als auch Richter in der Verhandlung. Wie in allen Berufs- und Menschengruppen gibt es solche und solche. Was ich gelernt habe: Ich nehme ein arrogantes oder herablassendes Verhalten anderer Menschen nicht mehr persönlich. Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul. So einfach. Na klar kann dein Verhalten etwas bei anderen Menschen auslösen. Aber die Reaktion sagt nichts aus über deine Intelligenz oder deine Vorbereitung oder die Frage, ob du da überhaupt in dem richtigen Beruf unterwegs bist. Das, was du von den anderen siehst, ist nur das Produkt ihrer Gedanken und die Verhaltensweise, die ihnen gerade möglich ist. Das muss nichts mit dir zu tun haben. Du weißt nicht, welche inneren Kämpfe sie ausgefochten haben, mit welchen Umständen sie umgehen müssen und was sie bisher erlebt haben.

 

2. Hart in der Sache, weich zu den Menschen.

Erfolge zu vermelden ist immer herrlich. Als Jurist*innen sind wir aber auch oft der Überbringer schlechter Nachrichten. Dem Mandanten muss die Rechtslage klar gemacht werden, die ihm nicht immer gefällt. Die Gegenpartei soll dazu gebracht werden, Ansprüche zu erfüllen und zwar möglichst gestern.

 

Oder sich mit Dingen zu beschäftigen, auf die sie weniger als keine Lust hat und zwar im Sinne des Mandanten. Dem gegnerischen Rechtsanwalt muss gemeldet werden, dass die Sache nicht so läuft wie von ihm geplant. Meine Erfahrung ist, dass die Bedürfnisse der Menschen sich gleichen. Hinter den Positionen stehen immer ähnliche Wünsche und ganz vorn dabei ist der Wunsch, gesehen zu werden. Den Menschen zu sehen und ihm das auch zu spiegeln, kann ein Türöffner für die Lösung sein. Sollte möglichst ernst gemeint sein. Wenn du den Menschen mit einem offenen Herzen und echter Wertschätzung begegnest, können sie deine Klarheit in der Sache viel besser vertragen.

 

3. Feiern statt Vergleichen

In unserer Branche sind wir viel im Außen unterwegs. Das fängt mit den Punkten in Klausuren und Examen an, geht über Titelsammlungen auf Briefköpfen und hört bei Autos auf Gerichtsparkplätzen noch nicht auf. Was wir dabei häufig vergessen: es ist immer nur eine einzelne Facette von einer anderen Person, mit der wir uns dann gern als Mensch insgesamt vergleichen. Und das macht keinen Sinn. Genau wie alle anderen sind auch wir unterschiedlich und haben unterschiedliche Stärken, unterschiedliche Herangehensweisen und Perspektiven. Deshalb: raus aus dem Vergleich! Raus aus den Schubladen und stattdessen lieber die Vielfalt nutzen, um gute Lösungen zu finden für die Probleme der anderen Menschen, die wir so bearbeiten. Die Juristerei ist schon jetzt viel bunter, als man es von außen vermutet.

 

Ich glaube immer noch an das Positive im Menschen, inzwischen sogar an das Positive in Jurist*innen. Deshalb gehöre ich mittlerweile auch gern dazu. Denn es sind mir so viele kreative Köpfe begegnet, coole Kolleg*innen mit tollen Ideen und solche, die auch mal die Perspektive gewechselt haben. Wenn du dich also selbst in diesem Meer grauer Anzüge bewegst: sei mutig und schwimm deine eigenen Bahnen! Und wenn du juristischen Rat brauchst, mit Jurist*innen aber nichts zu tun haben willst: sei mutig und melde dich, bevor das Problem dir über den Kopf gewachsen ist. Du wirst ganz sicher auf einen echten Menschen treffen.

 

 

 

 

 

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