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SARA RONABAR

Sara Ronabar

Diplom-Juristin

„Aber warum hast du dafür überhaupt Jura studiert?“

Mein Name ist Sara Ronabar und diese Frage wird mir häufiger gestellt! Ich bin Diplom-Juristin – das bedeutet, ich habe Jura studiert und mein erstes Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen. Auch das Rechtsreferendariat habe ich hinter mich gebracht, das zweite Staatsexamen jedoch nicht erfolgreich genug absolviert, um mich eine Volljuristin nennen zu können. Macht mir das etwas aus? Nein, absolut nicht. Heute arbeite ich als Consultant der eDiscovery bei einem internationalen Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

Als ich nun gefragt wurde, ob ich unter der Rubrik „Die Juristerei und ich“ etwas über mich schreiben möchte, musste ich erst einmal ein wenig lachen. Die Juristerei und ich: Dabei wird die Juristerei aber nicht sehr gut wegkommen. Das war zumindest mein erster Gedanke.

Aber mal von Anfang:

Während meines Jurastudiums bin ich, dank eines Kommilitonen, auf eine kleine Nische gestoßen, die es in Amerika bereits seit längerer Zeit gab, aber in Deutschland erst Schritt für Schritt aufgebaut wurde – die Digitale Forensik, speziell die eDiscovery.

Darunter konnte ich mir damals absolut nichts vorstellen, aber es klang sehr interessant – „Forensik“. Die meisten kennen diesen Begriff eher aus sämtlichen TV-Shows und denken dabei an die Gerichtsmedizin und die damit verbundene Rekonstruktion von meist kriminellen Handlungen. Doch welche Bedeutung hat die eDiscovery in der digitalien Forensik?

eDiscovery, oder elektronische Entdeckung, ist ein rechtlicher Prozess, bei dem elektronische Informationen wie E-Mails, Dokumente und Datenbanken für rechtliche Untersuchungen, Gerichtsverfahren oder Compliance-Anforderungen gesammelt, identifiziert, bewertet und präsentiert werden. Dabei verwenden wir spezialisierte Software-Tools und Techniken, um relevante digitale Beweismittel zu extrahieren, zu durchsuchen und zu analysieren, um die Anforderungen von Rechtsstreitigkeiten zu erfüllen.

Ich war also sehr interessiert – mal etwas anderes als die eher trockenen Klausuren und Hausarbeiten an der Universität. Ich bewarb mich für einen Studentenjob und wurde genommen.

„Die Juristerei und ich: Dabei wird die Juristerei aber nicht sehr gut wegkommen. Das war zumindest mein erster Gedanke.“

Nachdem ich das erste Staatsexamen abgeschlossen hatte, wollte ich nicht sofort ins Referendariat. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr auf den trockenen Stoff und die typischen Ellbogen-Juristen. Zum anderen hatte mir der Ausflug in die eDiscovery so viel Spaß bereitet, dass ich mich darin weiterbilden wollte. Also machte ich eine kleine Pause von dem „klassischen“ Juristen-Werdegang und arbeitete in einem Start-Up für die eDiscovery als Projektmanagerin.

Viele, die an Juristen denken, denken an die klassischen Berufsfelder: Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt. Also was macht man dann als „halbe“ Juristin in der eDiscovery? Braucht man dafür überhaupt Juristen, klingt doch alles so technisch. Soll doch ein ITler den Anwältinnen und Anwälten alles erklären und dann bekommen die das schon alles hin. Wieso studiert man überhaupt Jura, um dann „nur“ in der eDiscovery zu arbeiten? Lohnt sich doch alles gar nicht, wenn man nicht einen der klassischen Wege geht.

Na ja, meine Antwort darauf ist, die Juristerei wandelt sich. Das tut sie schon seit Jahren, viele wollen das aber auch nicht erkennen. Andere hingegen, auch diejenigen, die den klassischen Weg eingeschlagen haben, rüsten sich langsam auf, weil die Welt digitaler wird.

Aber was mache ich nun tagtäglich in der eDiscovery? Als Juristin in der eDiscovery fungiere ich als Bindeglied zwischen eDiscovery-Experten und Anwälten, indem ich bei der Zusammenführung der technischen Aspekte der elektronischen Beweissicherung und -analyse mit den rechtlichen Anforderungen des Falles unterstütze. Dies umfasst somit auch die Koordination der Datensammlung, -verarbeitung und -bewertung, um sicherzustellen, dass relevante Informationen rechtzeitig und ordnungsgemäß für die Anwälte verfügbar sind.

Dabei werden die juristische Arbeit optimiert, Kosten kontrolliert und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sichergestellt. Da in der heutigen digitalen Welt eine große Menge an elektronischen Informationen in Unternehmen und Organisationen vorhanden ist, sehe ich in der digitalen Forensik eine große Entwicklungschance, weswegen ich auch immer noch in der mittlerweile etwas größeren Nische geblieben bin.

„Die Juristerei wandelt sich. Das tut sie schon seit Jahren, viele wollen das aber auch nicht erkennen.“

Muss man dafür unbedingt Jura studiert haben? Nein. Hilft es? Ja, ungemein!

Der juristische Hintergrund hilft in der Kommunikation mit den Anwälten, die Sachverhalte besser aufzufassen und juristisch einordnen zu können. Das Jurastudium bietet ein tiefes Verständnis für rechtliche Konzepte und Verfahren, was für die eDiscovery entscheidend ist, da es bei der Sammlung und Präsentation von elektronischen Beweisen in Gerichtsverfahren und rechtlichen Untersuchungen maßgeblich darauf ankommt, rechtliche Standards einzuhalten. Als Jurastudent entwickelt man auch Fähigkeiten zur kritischen Analyse von Dokumenten und Texten, die in der eDiscovery bei der Identifizierung relevanter Informationen von Nutzen sind. Darüber hinaus schärft das Studium das Bewusstsein für Datenschutz und ethische Fragen, die bei der Verarbeitung sensibler Daten in der eDiscovery eine Rolle spielen.

Es stellt sich damit heraus, dass die Juristerei bei mir am Ende doch gar nicht so schlimm davon kommt, wie ich zu Anfang dachte. Durch Jura habe ich viel gelernt, was mir heute beruflich nützt. Aber auch fürs Leben habe ich einiges mitgenommen. Unter anderem, dass man sich nicht entmutigen lassen sollte und nicht jeder den „klassischen“ Weg gehen muss. Auch „nur“ mit einem ersten Examen, kann man sehr viel erreichen und in und mit der Juristerei glücklich werden.

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