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10 DINGE, DIE ICH GERNE SCHON FRÜHER GEWUSST HÄTTE

 

Ich finde es immer wieder befremdlich, wenn mich Personen anschreiben und mich als so etwas wie „Vorbild“ oder „Inspiration“ betiteln. Und dann auch noch Ratschläge von mir haben möchten?! Aber nicht etwa, weil ich mich nicht darüber freuen würde – im Gegenteil. Sondern weil ich einfach nicht begreifen kann, wie ich in solch eine Position gelangen konnte, mit derart starken Begriffen beschrieben zu werden. Habe ich mir das überhaupt verdient? Bin ich dem überhaupt gewachsen? Sollte diese Nachricht wirklich an mich?

 

Impostor-Syndrom lässt grüßen. Mittlerweile habe ich aber akzeptiert, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinandergehen und das auch dürfen. Das hält einen oftmals am Boden, was gut so ist. Ich selbst habe viele Personen kennenlernen dürfen, die ich absolut bewundert habe. Als ich dann mit ihnen ins Gespräch kam, stellte sich heraus, dass genau diese (in meinen Augen) „Übermenschen“ aber vor allem eines sind: Menschen. Menschen wie ich, die ebenfalls ihre Selbstzweifel haben, unzählige Male abgelehnt wurden, sich teilweise ihren eigenen Erfolg nicht einmal erklären können und die auch mal Phasen haben, in denen es nicht so läuft, wie es vielleicht sollte. Aber genau das waren die Dinge, die ich hören musste und weshalb ich diese Personen schließlich als noch viel inspirierender empfand, als zuvor. Es ist wesentlich beruhigender und auch motivierender, zu wissen, dass man eben kein Übermensch sein muss, um etwas erreichen zu können. Mensch sein reicht vollkommen aus.

 

Und genau aus diesem Grund versuche ich mich mittlerweile nicht mehr allzu sehr gegen Begriffe wie „Vorbild“ oder „Inspiration“ zu wehren, denn wenn ich gerade von den weniger guten und ganz menschlichen Erfahrungen anderer am meisten profitieren konnte, warum sollte das in einer rollenvertauschten Situation anders sein? Und mit weniger guten Erfahrungen und Fehlern kann ich allemal dienen. Also halte ich mir regelmäßig meinen Freitagnachmittag für Personen frei, die mich anschreiben und sich gerne einmal mit mir unterhalten würden. Das mache ich aber nicht, weil ich die ganze Zeit selbst sprechen und non-plus-ultra-Ratschläge verteilen will, sondern weil ich auch unglaublich gerne zuhöre. Was meiner Meinung nach heutzutage auch viel wichtiger ist, als nur zu antworten. Ich selbst konnte schon so unfassbar viel dadurch lernen, bekomme ständig neue Sichtweisen und bin mit großartigen Leuten in Kontakt gekommen, die ich mittlerweile schon zu meinen Freunden zähle.

 

Mir ist aber auch aufgefallen, dass es gewisse „Sorgen-Muster“ bei den Personen gibt, mit denen ich mich unterhalte und bei denen ich mich irgendwie immer und immer wieder wiederhole. Aus diesem Grund nutze ich diese Kolumne einmal dazu, jene „Muster“ anzusprechen und die Dinge dazu loszuwerden, die ich selbst schon gerne früher gewusst und auch gebraucht hätte:

 

Das Schlimmste, das dir in den meisten Situationen passieren kann, ist, dass du bei einer Ablehnung genau dort bleibst, wo du ohnehin schon bist.

 

1. Deine Talente sind dort, wo dir Dinge leicht fallen.

In den allermeisten Fällen sind deine Talente gerade nicht dort, wo du schwierige Dinge trotzdem irgendwie hinbekommst, sondern dort, wo sie dir total leicht fallen. „DAS soll ein Talent sein?? Hä?? Das kann doch jeder?!!“ – NEIN! Dir fallen mehrere Dinge leicht? Und du weißt nicht, was du einzeln damit anfangen kannst? Dann kombiniere sie! Und wenn dabei vielleicht etwas herauskommt, das noch nirgendwo hineinpasst, dann Glückwunsch! Du kannst etwas Innovatives erschaffen.

 

2. Du wirst sogut wie nie als Mensch kritisiert.

Immer dann, wenn du negativ kritisiert wirst, stelle dir die Frage, ob diese Person nun dich als „Mensch“ kritisiert oder nur etwas, das du gesagt, getan oder geleistet hast. Du wirst feststellen, dass in 99,9% Letzteres der Fall ist. Das hilft zumindest mir enorm dabei, Kritik nicht so persönlich und nicht so zu Herzen zu nehmen. Und sobald du diesen emotionalen Abstand hast, kannst du dich auch viel leichter fragen, ob du aus dieser Kritik vielleicht sogar etwas Nützliches ziehen könntest, das dir hilft, etwas zu verbessern.

 

3. Negative Kritik von den richtigen Personen ist ein Kompliment!

Falls du also kritisiert wirst, stelle dir nicht nur die Frage, WAS kritisiert wird, sondern auch, WER da überhaupt kritisiert. In den meisten Fällen wirst du feststellen, dass das ohnehin Personen sind, die die Dinge ganz anders machen, als du sie tun würdest. Dann ist deren Kritik ein Kompliment, denn indem du dich von ihnen abhebst, machst du ja alles richtig. Und übrigens: Lieber einige begeistern, als möglichst vielen zu gefallen – du kannst es sowieso nie allen recht machen.

 

4. Du kannst dir selbst mehr vertrauen, als du denkst.

In der 10. Klasse erhielt meine Mutter einen Anruf von einem meiner Lehrer (von einem Fach in einem Schuljahr), sie solle mich doch bitte unbedingt vom Gymnasium herunternehmen, denn ich würde mein Abitur sowieso niemals schaffen und von einem Studium bräuchte man erst gar nicht anfangen. Ganz zu seinem Entsetzen hatte nicht nur mein Abitur geschafft, sondern habe mittlerweile sogar zwei Studiengänge abgeschlossen und meinen Promotionsschnitt erreicht. Ich hatte mich damals auch einmal bei einem Konzern in der Complianceabteilung beworben und wurde knallhart abgelehnt. Mittlerweile schule ich genau diese Abteilung.

 

Was andere von dir denken – egal ob Lehrer, Eltern, Freunde, Arbeitgeber, Geschwister, Professoren etc. – ist also nicht dein Problem! Die meisten Menschen kennen ja auch nur einen kleinen Bruchteil all deiner Facetten und Fähigkeiten – im Gegensatz zu dir selbst. Lass dir von diesen Personen also niemals erzählen, dass du irgendetwas nicht tun oder sein könntest, höre auf dein Bauchgefühl und deine Intuition und gib‘ dir notfalls selbst einen kleinen Vertrauensvorschuss. Nirgendwo sonst ist er besser aufgehoben.

 

5. Ein „Nein“ bedeutet für dich in den meisten Fällen, dass du genau dort bleibst, wo du eh schon bist.

So viele Leute empfinden mehr Angst vor Ablehnung als Freude über Chancen! Wenn du ein Artikel für ein Magazin schreiben willst, einen Job willst, wenn du gerne mit jemandem zusammenarbeiten willst etc…

 

Kein Mensch auf dieser Welt denkt so viel über dich nach, wie du über dich selbst. Einfach, weil sie selbst viel zu beschäftigt damit sind, darüber nachzudenken, was andere über sie denken könnten.

 

Was würde denn passieren, wenn du die zuständige Person anschreibst und sie „nein“ sagt? Genau. Du hast gar nichts verloren, sondern einfach nur nichts dazugewonnen. Aber du hast so zumindest die Chance auf einen Gewinn. Deswegen: Das Schlimmste, das dir in den meisten Situationen passieren kann, ist, dass du bei einer Ablehnung genau dort bleibst, wo du ohnehin schon bist – sogar mit ein bisschen mehr Erfahrung als zuvor. Also versuche doch einfach öfter mal etwas!

 

6. Auf den Honig kommt’s an, nicht auf’s Flügelschlagen!

Ganz ehrlich: Manchmal sitze ich abends da und frage mich, was ich überhaupt den ganzen Tag gemacht habe. Nicht, weil ich wirklich nichts gemacht habe, sondern weil es sich einfach nicht nach Arbeit anfühlt… Wenn du dich also auf einem alten Fahrrad für läppische 50 Meter abrackerst, dann stell‘ nicht dich permanent in Frage, sondern dein Fortbewegungsmittel. Es darf auch einfach(er) gehen.

 

7. Weniger denken, mehr machen!

Es nützt alleine nichts, jeden Tag für einen Lottogewinn zu beten – den Schein musst du schon selbst kaufen und ausfüllen. Was ich damit sagen will: Warte nicht auf bessere Zeiten oder darauf, dass endlich mal irgendetwas passiert – sondern erschaffe dir selbst diese Situation!

 

Wenn du z.B. mit dem Auto irgendwo hinfahren willst, stellst du dir doch auch nicht erst die ganze Strecke bildlich vor, sondern du fährst einfach los. Einen Meter nach dem nächsten. Und das reicht auch, um dem Ziel immer näher und irgendwann auch dort anzukommen. Und sogar ein paar Umwege sind manchmal sogar viel schöner, als die reguläre Strecke.

 

8. Vertraue niemals Social Media.

Auf Instagram, LinkedIn & Co. wirkt natürlich immer alles ziemlich glamourös und man bekommt oft den Eindruck, dass es bei allen anderen läuft – nur bei einem selbst nicht. Doch das ist ein absoluter Trugschluss und man sollte sich auf gar keinen Fall mit diesen Abbildern von Personen vergleichen, wenn man nicht augenblicklich in Depressionen verfallen möchte. Ich zumindest kenne keine einzige Person aus meinem beruflichen Umfeld, die nicht irgendwann einmal Zeiten hatte, in denen sie z.B. nicht wusste, wie sie ihre Miete und Versicherungen zahlen soll – obwohl sie nach außen doch so selbstsicher wirkte. Alles, was cool ist, wird natürlich sofort geteilt. Alles, was nicht so cool ist, behält man hingegen lieber für sich oder postet es erst sehr viel später, um ein tolles Learning oder einen möglichst knalligen Kontrast zu der jetzt guten Seite zu erzeugen. Man darf nie vergessen, dass auf Social Media jeder selbst entscheiden kann, was andere von ihm sehen sollen und was nicht.

 

Und genau bei diesem „sehen“ liegt schon das nächste Problem: Man kann schlecht Selfies davon posten, wie das eigene Gehirn neue Fähigkeiten oder Lektionen erlernt oder wie man schlimme Phasen voller Selbstzweifel durchläuft, trotzdem weitermacht und gestärkt herauskommt. Man postet auch keine Bilder, in denen man aussieht wie ein verwahrloster Unterweltler, der seit 5 Tagen keine Vitamine und kein Tageslicht mehr gesehen hat. Komischerweise sind jedoch genau das die Erfahrungen und Momente, die uns als Menschen ausmachen, von denen wir profitieren und die uns sowohl charakterlich als auch beruflich weiterbringen. Deswegen: Bevor du dir Sorgen über deine Social Media Präsenz machst oder dich mit anderen vergleichst, tu‘ stattdessen lieber mal mehr von den Dingen, die du eben nicht mal schnell posten kannst!

 

9. Nimm‘ dich selbst mal nicht so ernst.

Kein Mensch auf dieser Welt denkt so viel über dich nach, wie du über dich selbst. Einfach, weil sie selbst viel zu beschäftigt damit sind, darüber nachzudenken, was andere über sie denken könnten. Dieses Phänomen hat sogar einen wissenschaftlichen Begriff und nennt sich „Spotlight-Effekt“.

 

Du bekommst lange nicht so viel Aufmerksamkeit, wie du glaubst. Und das finde ich persönlich ziemlich beruhigend, denn das gibt einem die nötige Portion Gelassenheit, Dinge einfach mal so zu machen, wie man sie für richtig und für wichtig hält. Und falls du mal einen Fehler machen solltest, bekommt ihn der Großteil der Personen nicht einmal mit. Ein kleiner Bruchteil bemerkt ihn zwar, vergisst ihn aber schnell wieder oder findet ihn gar nicht so schlimm. Die Allerwenigsten echauffieren sich hingegen über diesen Fehler – aber eben auch nur solange, bis sie etwas anderes finden, worüber sie sich aufregen können.

 

10. Traue dich, Ratschläge zu ignorieren.

Manche Ratschläge oder Lebensphilosophien sind ungefähr so sinnvoll wie Hosen bei Zoom-Meetings. Dazu können auch meine gehören. Traut euch bitte, diese in die Tonne zu kloppen, wenn ihr feststellt, dass sie nicht (mehr) zu euch passen oder es euch mit ihnen nicht besser geht. Darin bin ich selbst absoluter Profi und brauche etwas mehr Konkurrenz im Missachten von Ratschlägen. Wie viele Tipps habe ich schon bekommen, die zwar lieb gemeint, aber vollkommen unbrauchbar waren? Zumindest für mich. Man selbst weiß es im Zweifel immer besser! Und das ist nicht einmal arrogant, sondern das einzig Vernünftige. Denn man kennt sich selbst ja auch besser als alle anderen. Und man muss sich selbst auch länger ertragen als alle anderen. Macht euch also lieber auf die Suche nach den Ratschlägen, die ihr selbst anderen geben würdet. Aber wenn einer der 10 Dinge, die ich hier aufgezählt habe, auch nur in einer einzigen Situation für einige Sekunden hilft, hat sich diese Kolumne schon gelohnt.

 

 

 

 

 

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